Der Bauunternehmer verlangt plötzlich mehr Geld als vereinbart
Eine Nachtragsforderung liegt auf dem Tisch, eine Mehrkostenforderung wegen Bauzeit oder eine Rechnung, die deutlich über dem liegt, was besprochen war. Ob die Forderung berechtigt ist, entscheidet sich nicht am Verhandlungston, sondern daran, wer welche Abweichung belegen kann.
Nachtrag, Mehrkostenforderung, Claim – worum es fachlich geht
Der Fachbegriff dafür lautet Claim-Management. Gemeint ist die Prüfung, ob eine zusätzliche Forderung fachlich nachvollziehbar ist.
Wenn ein Auftragnehmer während oder nach der Ausführung mehr Geld verlangt, stützt er das auf eine behauptete Abweichung vom ursprünglich Vereinbarten: eine zusätzliche Leistung, eine geänderte Ausführung, eine Störung im Bauablauf. Die Forderung heißt im Fachjargon Nachtrag oder Claim, die Prüfung solcher Forderungen Claim-Management. Für Sie als Auftraggeber läuft es auf drei Fragen hinaus: War die Leistung schon geschuldet? Wenn nicht — stimmt die Menge? Und stimmt der Preis, zu dem sie angesetzt wird?
Die typischen Streitfälle
- Nachtragsforderungen: Der Auftragnehmer meldet Mehrkosten für Leistungen, die er als nicht beauftragt ansieht. Zu prüfen ist zuerst, ob die Leistung im ursprünglichen Leistungsumfang bereits enthalten war — und erst danach, ob die Preisbasis stimmt.
- Bauzeitverzögerung: Streit darüber, aus wessen Sphäre die Verzögerung stammt und welche Mehrkosten sie tatsächlich verursacht hat.
- Gestörter Bauablauf: Behinderungsanzeigen, Umstellung von Bauabläufen, Stillstandszeiten, Winterbau.
- Abrechnungsstreit: Aufmaß, Massen, Positionszuordnung, Regiestunden.
Die rechtliche Grundlage der Gegenseite kennen
Wer eine Nachtragsforderung prüft, muss wissen, worauf sie gestützt wird. Zentral ist § 1168 Abs 1 ABGB: Unterbleibt die Ausführung des Werkes, gebührt dem Unternehmer gleichwohl das vereinbarte Entgelt, wenn er zur Leistung bereit war und durch Umstände, die auf Seite des Bestellers liegen, daran verhindert wurde; er muss sich jedoch anrechnen lassen, was er dadurch erspart oder anderweitig erworben hat. Wurde er durch solche Umstände bei der Ausführung durch Zeitverlust verkürzt, gebührt ihm eine angemessene Entschädigung. Ist die ÖNORM B 2110 vertraglich vereinbart, treten deren Regelungen zu Leistungsabweichungen und Mehrkostenforderungen samt den dort vorgesehenen Anzeige- und Nachweispflichten hinzu.
Praktisch entscheidet damit nicht die Höhe der Forderung, sondern die Zuordnung der Sphäre und die Qualität des Nachweises — auf beiden Seiten.
Die hier genannten Bestimmungen geben den Gesetzestext wieder und dienen der Einordnung des technischen Sachverhalts. Sie ersetzen keine Rechtsberatung; die rechtliche Beurteilung Ihres Falls bleibt Ihrer Rechtsvertretung vorbehalten.
Wie ich eine Nachtragsforderung prüfe
Ich arbeite die Forderung technisch auf: Abgleich von Leistungsverzeichnis, Plan- und Ausführungsstand, Bautagesberichten, Behinderungsanzeigen und Schriftverkehr; Feststellung, welche Leistung tatsächlich erbracht wurde und welche Abweichung vom vereinbarten Soll vorliegt; Bewertung der Mehr- oder Minderleistung nach Menge und Preisbasis. Das Ergebnis ist eine nachvollziehbare Gegenüberstellung — keine Pauschalablehnung, sondern Position für Position. Damit kann Ihre Rechtsvertretung arbeiten, und in der Verhandlung bleibt nur noch strittig, was tatsächlich strittig ist.
Vorbeugend gehört diese Prüfung in die Vergabephase — siehe Bauherrenvertretung. Geht es um die Qualität der erbrachten Leistung statt um ihren Umfang, ist der Weg über Bauabnahme und Mängelrüge der richtige.
Tätig werde ich in Vorarlberg, im Fürstentum Liechtenstein, in der Ostschweiz und im angrenzenden Süddeutschland.
Was ich technisch beurteile
Gerichtlich zertifiziert bin ich für die Fachgebiete Verputzarbeiten (73.65), Herstellung von Wärmedämmverbundsystemen (73.70) und Trockenbauarbeiten (73.75), eingetragen beim Landesgericht Feldkirch. In diesen Fachgebieten werde ich von Gerichten bestellt. Die Eintragung ist in der Sachverständigenliste der Justiz nachprüfbar.
Alle weiteren Leistungen — die Beurteilung anderer Bauteile und Gewerke, Bauherrenvertretung, Projektsteuerung sowie Abrechnungs- und Nachtragsprüfung — erbringe ich als Privatgutachter und Berater auf Grundlage meiner Ausbildung, meiner Gewerbeberechtigungen und über dreißig Jahren Praxis am Bau.
Für wen diese Leistung relevant ist
- Bauherren, denen der Auftragnehmer Nachträge, Mehrkosten oder Bauzeitansprüche stellt
- Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, die für eine Nachtragsforderung eine technische Gegenüberstellung Position für Position brauchen
- Projektentwickler und Immobilienunternehmen mit Streit über Massen, Aufmaß, Positionszuordnung oder Regiestunden
- öffentliche und institutionelle Auftraggeber, die eine Forderung nachvollziehbar dokumentiert prüfen lassen müssen
- Auftragnehmer, die ihre eigene Forderung vor der Einreichung auf Belastbarkeit prüfen lassen wollen
Was Sie mir schicken sollten
- Vertrag samt der vereinbarten Vertragsgrundlagen — insbesondere, ob die ÖNORM B 2110 vereinbart wurde
- Leistungsverzeichnis und Pläne in der Fassung, die der Vergabe zugrunde lag
- das Nachtragsangebot oder die Mehrkostenforderung mit der dazugehörigen Begründung
- Bautagesberichte, Behinderungsanzeigen und Terminpläne
- Aufmaße, Abrechnungen und bisherige Teilrechnungen
- den Schriftverkehr zwischen den Beteiligten zum strittigen Vorgang
Wie erreiche ich Sie?
Am schnellsten telefonisch unter +43 699 130 488 76 oder per E-Mail an info@gericht-gutachter.at. Schildern Sie mir kurz, worum gestritten wird und wie hoch die Forderung ist. Daraus sehe ich, ob sich eine vollständige Prüfung rechnet oder ob eine gezielte Prüfung einzelner Positionen genügt.
Weitere Leistungen
- Beweissicherung
- Bauabnahme und Mängelrüge
- Bauherrenvertretung (Owner’s Representative)
- Schlussrechnung, Aufmaß und Nachträge prüfen
- Ein vorliegendes Gutachten fachlich überprüfen
- Risse und Schäden am WDVS
- Bauschaden feststellen lassen — Ursache klären, wenn das Schadensbild allein nichts verrät
- Technische Unterstützung für Rechtsanwaltskanzleien
- Trockenbau und Innenausbau — Ausführung, Aufbau, Mengen und Abrechnung im Ausbau
- Was kostet ein Baugutachten — Kosten, Ablauf und kostenloses Erstgespräch
Häufige Fragen zu Nachträgen, Bauzeit und Abrechnungsstreit
Die Fragen, die mir Bauherren und Rechtsvertretungen zu Nachtragsforderungen am häufigsten stellen: was zuerst zu prüfen ist, worauf sich die Gegenseite stützt und was am Ende auf dem Tisch liegt.
Was wird bei einer Nachtragsforderung zuerst geprüft?
Ob die Leistung im ursprünglichen Leistungsumfang bereits enthalten war. Erst wenn das verneint ist, stellt sich die Frage nach der Preisbasis. In der Praxis erledigt sich ein erheblicher Teil der Forderungen schon an dieser ersten Frage.
Worauf stützt der Auftragnehmer seine Forderung üblicherweise?
Zentral ist § 1168 Abs 1 ABGB. Danach gebührt dem Unternehmer das vereinbarte Entgelt auch dann, wenn die Ausführung unterbleibt, er aber leistungsbereit war und durch Umstände auf Seite des Bestellers gehindert wurde; er muss sich anrechnen lassen, was er erspart oder anderweitig erworben hat. Wurde er durch solche Umstände bei der Ausführung durch Zeitverlust verkürzt, gebührt ihm eine angemessene Entschädigung. Ist die ÖNORM B 2110 vereinbart, treten deren Regelungen zu Leistungsabweichungen und Mehrkostenforderungen samt Anzeige- und Nachweispflichten hinzu.
Was bedeutet Sphärenzuordnung?
Die Frage, aus wessen Verantwortungsbereich eine Abweichung oder Verzögerung stammt. Praktisch entscheidet nicht die Höhe der Forderung über den Ausgang, sondern diese Zuordnung und die Qualität des Nachweises — auf beiden Seiten.
Was bekomme ich als Ergebnis in die Hand?
Eine nachvollziehbare Gegenüberstellung, Position für Position. Keine Pauschalablehnung. Damit kann Ihre Rechtsvertretung arbeiten, und in der Verhandlung bleibt nur noch strittig, was tatsächlich strittig ist.
Was gilt bei einer Bauzeitverzögerung?
Zu klären ist, aus wessen Sphäre die Verzögerung stammt und welche Mehrkosten sie tatsächlich verursacht hat. Grundlage dafür sind Bautagesberichte, Behinderungsanzeigen, Terminpläne und der Schriftverkehr — nicht die Darstellung einer Seite.
Geht es um die Qualität der Leistung statt um ihren Umfang — was dann?
Dann ist der Weg über Bauabnahme und Mängelrüge der richtige. Claim-Management klärt, was geschuldet und erbracht wurde; die Mängelbeurteilung klärt, ob das Erbrachte mangelhaft ist.
Lässt sich der Streit vorbeugend vermeiden?
Weitgehend ja, wenn dieselbe Prüfung schon in der Vergabephase stattfindet: Leistungsverzeichnis und Planung auf Lücken, Doppelpositionen und Risiken durchsehen, die später zu Nachträgen werden. Das ist Teil der Bauherrenvertretung.
Was ist eine Nachtragsprüfung?
Bei einer Nachtragsprüfung wird eine zusätzliche Forderung des Auftragnehmers technisch nachvollzogen: ob die Leistung nicht ohnehin im vereinbarten Leistungsumfang enthalten war, ob sie tatsächlich erbracht wurde, ob die Menge stimmt und ob der Preis aus der Kalkulation des Hauptauftrags abgeleitet ist. Ob daraus eine Zahlungspflicht folgt, beurteilt Ihre Rechtsvertretung.